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Über die Geschichte der Deutschen in Russland (III)

Teil I, II, III, IV, V, VI, VII

Russland braucht mehr Arbeitskräfte

Als Russland aber die Türkenkriege gewinnt und die Nordküste des Schwarzen Meeres sichert, nehmen Paul I. und Alexander I., die Nachfolge-Herrscher Katharinas, die Migrationspolitik der Zarin wieder auf, um die neuen Gebiete zu besiedeln.

Unter den Neuankömmlingen sind viele Rumänen und Griechen. Den größten Teil aber bilden wieder Deutsche, unter ihnen Lutheraner aus Westpreußen und Vertreter religiöser Minderheiten, die ihre alte Heimat aus konfessionellen Gründen verlassen haben.

So entstehen deutsche Kolonien zwischen den Flüssen Dnjestr und Don, im Gebiet Bessarabien und auf der Halbinsel Krim. Im Schwarzmeergebiet bekommt jede Bauernfamilie rund 60 Hektar Land zur freien Bewirtschaftung zugeteilt. Einzige Voraussetzung ist, die nahe gelegenen Märkte mit den Erträgen zu versorgen.

Unter den Siedlern sind viele Handwerker, und so entwickelt sich nach und nach auch eine Industrie: es entstanden bedeutende Textil-, Geräte- und Maschinenfabriken.

Von Null auf eine Million in 100 Jahren

Mitte des 19. Jahrhunderst, rund 100 Jahre nach Anfang der Zuwanderung, leben im Schwarzmeergebiet bereits rund 140.000 Menschen. Insgesamt zählt das Russische Reich in den über 3.000 Kolonien ca. 900.000 deutsche und deutschstämmige Siedler.

Die Deutschen haben sich gut in die russische Gesellschaft integrieren können: wirtschaftlich sind sie mindestens genauso gut, oftmals sogar besser gestellt, als ihre russischen Landsleute.

Darüber hinaus genießen sie den Ruf tüchtiger Arbeiter und gelernter Handwerker. Diesen Respekt danken sie mit Loyalität und Untertanengeist. Dieses bestätigt sich z. B. Im Krimkrieg, als die deutschen Kolonien Geld und Lebensmittel für die russischen Truppen spenden.

Eine Assimilation im Sinne einer „Russifizierung“ findet dennoch nicht statt: das Recht auf Selbstverwaltung und Religionsfreiheit nutzten die deutschen Kolonisten – Lutheraner, Mennoniten, Katholiken– um eigene Kirchen zu bauen. So entstehen schon im 18. Jahrhundert Kirchenschulen, wo Lesen und Schreiben auf Deutsch gelehrt wird. Später kommen staatlich subventionierte Schulen mit Russisch als Fremdsprache hinzu.


Fortsetzung: Bedrängung und "Die deutsche Frage“ in Russland