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Über die Geschichte der Deutschen in Russland (II)

Teil I, II, III, IV, V, VI, VII

Wirtschaftlicher Notstand bewegt zum Auswandern

Zusätzlich heuert die russische Regierung private Makler in Deutschland an. Diese werden für jede Familie, die sie zum Auswandern bewegen können, reichlich belohnt. Dadurch entschlossen sich letztendlich viele durch den Siebenjährigen Krieg angeschlagene und verarmte Bauern aus Schwaben, Baden, Pfalz, Bayern und Hessen für die Auswanderung.

Das Ausmaß der Emigration zeigt sich unter anderem darin, dass einige deutsche Fürsten Auswanderungsverbote erließen, um eine Massenabwanderung zu verhindern. Dennoch treten bis 1767 fast 30.000 Menschen den Weg nach Russland an.

Zunächst gehen sie nach Worms und Hamburg, von wo aus sie auf dem Seeweg nach St. Petersburg , damals noch Hauptstadt Russlands, gebracht werden. Dort müssen sie einen Treueid gegenüber der Zarin und der neuen Heimat ablegen. Hinterher ght es hoch zu Ross weiter Richtung Süden bis nach Saratow an der Wolga.

Das (hoch-)gelobte Land

Ihr Weg ist kein einfacher: viele kommen auf der Reise über See und Land um. Als dann 25.000 Deutsche in Saratow eintreffen, finden sie alles andere als das von der Zarin versprochene Paradies vor. Es gab kaum eine Infrastruktur – keine Straßen, keine Häuser, kaum Baumaterialien.

Daher kämpfen die Siedler in den ersten Jahrzehnten ums Überleben: Armut und Missernten, Überfälle von kalmükischen und kirgisischen Reiterstämmen sowie der Wettbewerb mit russischen Pionieren um die besten landwirtschaftlichen Flächen machen ihnen das Leben schwer.

Erst Anfang 19. Jahrhundert, als die russische Regierung zum Status der Kolonialisten mehrere „Instruktionen“ wie Selbstverwaltung verabschiedet und „Statthalter des Vertrauens“ in den Kolonien einsetzt, entsteht ein kleiner Wohlstand.

So verdoppelt sich die Bevölkerung in den Kolonien bis 1815 auf 60.000. Gegen das letzte Drittel des 18. Jahrhunderts, als die Aufnahmelager für die Übersiedler ausgelastet waren, geht die Zuwanderung rapide zurück.


Fortsetzung: Russland braucht mehr Arbeitskräfte