www.Russlanddeutsche.ru

Über die Geschichte der Deutschen in Russland (IV)

Teil I, II, III, IV, V, VI, VII

Bedrängung und "Die deutsche Frage“ in Russland

Nachdem Russland den Krimkrieg verliert, ändert sich mit der Zeit auch die privilegierte Stellung der Deutschen in Russland. Unter Zar Alexander II. werden wichtige Privilegien der Kolonisten wie z. B. Steuerfreiheit aufgehoben. Drei Jahre drauf müssen sie gar Wehrdienst leisten. Nur die Mennoniten können sich aufgrund ihres Postulates der Gewaltlosigkeit das Recht auf einen Ersatzdienst erkämpfen.

Ferner verschlechtert sich nach dem Berliner Kongress 1878 das Verhältnis Russlands zum Deutschen Reich, was sich aber nicht auf dem Wohlstand der Kolonisten zeigt – stark zur Missgunst der „Slawophilen“, einer Gruppe populärer russisch-nationalistischer Intellektueller.

Sie fürchten eine „Germanisierung“ des Russischen Reiches, vor allem aber im Gebiet Wolhynien (Ukraine), wo viele Entscheidungsträger innerhalb der Führungselite deutscher Abstammung sind.

Schließlich stellen sie öffentlich die „Deutsche Frage in Russland“, was dazu führt, dass 1887 den Deutschen verboten wird, in diesen Gebieten Land zu pachten oder gar zu kaufen. Ende 19. Jahrhundert wird auch das deutsche Schulwesen größtenteils russifiziert.

Erster Weltkrieg und die Oktoberrevolution

Mit dem Ausbruch des 1. Weltkrieges nimmt die deutschfeindliche Stimmung in Russland weiter zu. Liquidationsgesetze werden erlassen, nach denen alle Kolonisten im Westen und Südwesten des Landes aus einem 150 km breiten Grenzstreifen vertrieben werden sollen. Damit sollten alle deutschen Siedlungen in diesem Gebiet liquidiert werden. Die russische Spitze fürchtete eine Kooperation der Kolonisten mit den deutschen Streitkräften an der Ostfront.

Deutschstämmige Wehrpflichtige innerhalb der russischen Armee werden an die Kaukasusfront in den Südosten des Landes versetzt, wo sie gegen türkische Soldaten kämpfen sollten.

Ab 1917 sollen die Liquidationsgesetze für den gesamten europäischen Teil Russlands gelten. Dazu kommt es aber nicht, denn die Oktoberrevolution verändert die Situation der Deutschen in Russland noch einmal dramatisch.

 

Fortsetzung: Die Republik der Wolga-Deutschen: ein kurzes Aufatmen vor dem Chaos